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Korruption findet in der Schweiz und durch Schweizer Akteure in zahlreichen weiteren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen statt, wie beispielsweise in der Gesundheits- und Pharmabranche, in der Rohstoffbranche, im Sport und in der Entwicklungszusammenarbeit. Transparency Schweiz ist bedarfs- und ressourcenorientiert auch in diesen Bereichen tätig.

Entwicklungszusammenarbeit

Organisationen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit sind einem hohen Korruptionsrisiko ausgesetzt, da in vielen Ländern, in denen sie tätig sind, Korruption ein enormes gesellschaftliches Problem darstellt. Zudem ist Korruption sowohl Ursache als auch Folge von Armut und fehlender Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, die in der Entwicklungszusammenarbeit allgegenwärtig ist. Dies mündet oft in einen sich selbst verstärkenden Prozess. Die Korruptionsprävention und -bekämpfung in der Entwicklungszusammenarbeit ist daher besonders wichtig. Zudem unterliegen in der Schweiz auch Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit dem Unternehmensstrafrecht (Art. 102 Strafgesetzbuch) und können somit bei Korruptionsdelikten unter Umständen strafrechtlich belangt werden.

Unsere Positionen

  • Organisationen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit müssen wirksame Massnahmen treffen, um Korruption zu verhindern.
  • Dafür müssen sie in einem ersten Schritt die bestehenden Korruptionsrisiken eruieren. Diese variieren von Organisation zu Organisation.
  • Gestützt auf die Risikoanalyse müssen sie in einem zweiten Schritt risikogerechte Massnahmen zur Verhinderung von Korruption treffen. Je grösser ein konkretes Korruptionsrisiko ist, umso eingehender müssen diese Massnahmen sein.
  • In einem dritten Schritt müssen die getroffenen Massnahmen implementiert, sprich tatsächlich gelebt werden.
  • Obwohl Organisationen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit aufgrund der mittlerweile weitgehenden Strafbestimmungen nicht mehr umhinkommen, Korruption zu verhindern, bleibt die Korruptionsprävention und -bekämpfung eine Herausforderung: Vielen Organisationen fehlt es an Kenntnissen und Ressourcen, um Korruption effektiv zu bekämpfen.

Sport

Sport bewegt und begeistert die Menschen. Der Sport löst jährlich über 10 Milliarden Franken Wertschöpfung aus und schafft über 90‘000 Stellen (Rütter/Soceco, Wirtschaftliche Bedeutung des Sports in der Schweiz, 2014). Wie jeder andere gesellschaftliche oder wirtschaftliche Bereich, besteht auch im Sport die Gefahr von Missbrauch und Korruption. Diese Gefahren wachsen, je mehr Geld im Spiel ist. In der Schweiz haben ausserdem die meisten internationalen Sportverbände ihren Sitz. Hier berichten die Medien regelmässig über korrupte Machenschaften. Korruption im Sport widerspricht nicht nur dem fundamentalen Prinzip der Fairness, sondern ist auch in der Schweiz eine schwere Straftat, untergräbt die Legitimität des Sports und schadet der Gesellschaft.

Unsere Positionen

  • Die internationalen Sportverbände müssen bei der Korruptionsprävention und -bekämpfung Vorbildfunktion übernehmen.
  • Weil sich die internationalen Sportverbände als unfähig erweisen, ihre Korruptionsprobleme aus eigener Kraft zu lösen, muss der Schweizer Gesetzgeber eingreifen. Als Sitzstaat der meisten internationalen Sportverbände kommt der Schweiz besondere Verantwortung zu bei der Korruptionsbekämpfung im internationalen Sport. Es muss auf gesetzlicher Stufe ein hoher Standard festgesetzt werden betreffend die Gouvernanz und die Überwachung von internationalen Sportverbänden mit Sitz in der Schweiz. Ferner brauchen wir eine Revision des Vereinsrechts mit klarer Unterscheidung zwischen wirtschaftlichen und nicht-wirtschaftlichen Tätigkeiten. Schliesslich müssen Whistleblowerinnen und Whistleblower rechtlich geschützt werden; sie helfen mit, rechtswidriges Verhalten im Sport aufzudecken.
  • Das Schweizer Korruptionsstrafrecht muss von den zuständigen Behörden auch gegenüber internationalen Sportorganisationen und -funktionären konsequent angewendet werden.
  • Auch die nationalen Sportverbände und -vereine müssen Massnahmen treffen zur Verhinderung von Korruption. Sie müssen dafür in einem ersten Schritt mögliche Korruptionsrisiken eruieren, in einem zweiten Schritt risikogerechte Massnahmen zur Verhinderung von Korruption treffen, in deren Zentrum der Erlass eines Verhaltenskodexes steht, und in einem dritten Schritt diesen Verhaltenskodex tatsächlich leben.

Gesundheits- und Pharmasektor

Der Gesundheits- und Pharmasektor bietet vielerlei Korruptionsrisiken, sprich Versuchungen, anvertraute Machtstellungen zu privatem Nutzen zu missbrauchen. Im Vordergrund stehen die nach wie vor in verschiedenen Bereichen bestehende Intransparenz über finanzielle Anreize (z.B. umsatzabhängige Bonuszahlungen an Kaderärzte), die Einflussnahme auf den Forschungs- und Fortbildungsbereich bei deren Mitfinanzierung durch die Industrie oder die nach wie vor unvollständige Rechenschaftslegung über die Qualität der durch öffentliche und private Mittel finanzierten Leistungen.

Unsere Positionen

  • Der Gesundheits- und Pharmasektor erweist sich als systemisch korrupt; das gesamte System basiert auf falschen Anreizen, im Kern auf dem Anreiz «möglichst hohe Quantität» (möglichst viele Leistungen) und nicht auf dem Anreiz «möglichst viel Qualität» (möglichst gesunde Patienten und Patientinnen).
  • Im Gesundheits- und Pharmasektor ist deshalb ein grundlegendes Umdenken nötig, soll die Korruption vermindert werden. Dies bedingt zunächst, dass die Hauptakteure (u.a. Spitäler, Ärztinnen und Ärzte, Krankenkassen, Pharmaindustrie) die Beweglichkeit zeigen, ihre bisherigen «Hoheitsgebiete» der Diskussion zu öffnen.
  • Neben dieser grundlegenden Diskussion muss zwingend in kleinen Schritten nach Verbesserungen der Korruptionsprävention und -bekämpfung gesucht werden. Einen solchen Schritt bildet beispielsweise die Änderung des Entlöhnungssystems der Kaderärzte. Ihr Entlöhnungssystem muss transparent gestaltet werden und darf keine mengenabhängigen Boni enthalten.

Unsere Aktivitäten

Publikationen

Ratgeber und Leitfäden

Vernehmlassungen

Medienmitteilungen

Vortragsservice

Wir referieren zur Korruptionsprävention und -bekämpfung in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, Sport und Gesundheits- und Pharmasektor.

Medienspiegel